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3.000 EUR für Rangu Souriya

Allgemein

3. Oktober 2016

Im Mai 2016 haben wir Rangu Souriya, DIE führende Figur im Kampf gegen den Menschenhandel in Westbengal, aufgesucht. Wir haben sie uns kämpferisch, heroisch und trotzend vor Selbstbewusstsein vorgestellt. Eine schillernde Persönlichkeit, die alles in den Schatten stellt. Doch wir trafen eine Frau, die wir nicht erwartet haben. Und haben ihr 3.000 EUR guten Gewissens übergeben.

Ein Erfahrungsbericht von Daniela Luschin-Wangail

Rangu Souriya – man spricht ihren Familiennamen wie das deutsche Wort „Saurier“ aus. Und sie scheint zwar stark wie ein Saurier zu sein, hat sie doch mehrere hundert Frauen und Kinder aus den Fängen des Menschenhandels befreit und Hunderte andere davor bewahrt. Doch wenn sie dir gegenüber sitzt, kannst du dir kaum vorstellen, was in dieser unscheinbaren und ruhigen Frau alles steckt. Sie redet wenig, erscheint fast schüchtern. Spricht lieber in Hindi und mit meinem Mann Tashi als auf Englisch mit mir. Sie sagt, sie kann kaum Englisch, doch im Email-Austausch und auch per Facebook belegte sie das Gegenteil. Sie spricht auch sehr leise und ist generell sehr zurückhaltend, erzählt keine lauten, heroischen Geschichten über wilde Befreiungsaktionen und Kämpfen mit ihr als Heldin. Das macht sie sympathisch. Und greifbar. Sie ist wie du und ich. Eine ganz normale Frau und doch so anders. Ein Engel, der von wem auch immer geschickt wurde, um Hoffnungsschimmer für die Opfer und Familien der Opfer zu sein.

Man kennt sie in ihrem Ort. Wir hatten Schwierigkeiten ihr kleines Häuschen zu finden, doch einmal ihren Namen ausgesprochen, wiesen uns zig Leute freundlichst zu ihr. Sie lebt sehr einfach und das Telefon läutet rund um die Uhr. Es ist schwer ungestört mit ihr zu sprechen. Aber das hat schon seine Richtigkeit so. Schließlich können wir ihr die 3.000 EUR an Spendengeldern in bar übergeben. Sie ist überaus dankbar. Ganz ehrlich und ungespielt. Am nächsten Tag sollen wir mit ihr das Büro, von dem aus sie arbeitet und das Schutzzentrum, für das die Gelder bestimmt sind, besuchen. Sie bringt uns noch zu unserer Unterkunft, die sie für uns organisiert hat … unterwegs werden wir Zeugen davon, wie hoch angesehen sie in ihrem Umfeld ist. Sie wird freundlichst begrüßt und behandelt, vom Geschäftstreibenden bis hin zu den Polizisten auf der Straße.

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Mit Rangu vor ihrem kleinen Haus

Siliguri

Am nächsten Morgen fahren wir nach Siliguri, die größte Stadt im Distrikt Darjeeling in Westbengal und weithin bekannter Angelpunkt im Menschenhandel. Von hier aus werden Frauen und Kinder aus Nepal und dem Nordosten nach Delhi, Bombay, Kalkutta und anderswohin verkauft. Es ist keine schöne Stadt, nichts, das man sich hier ansehen möchte, nichts, das zum Verweilen einladen würde. Wir fahren ins Büro von Rangu und ihrer Organisation Khanchenjunga Udhar Kendra Welfare Society. Es ist ein kleines Büro im hinteren Bereich eines nicht sehr schönen Gebäudes. Keine Klimaanlage, Schimmel an den Wänden und Stapel von Papieren überall. Es ist viel los als wir ankommen. Ein Mann schimpft auf einen Mitarbeiter der Organisation ein, während zwei stille Frauen auf den Boden blickend im Hintergrund stehen. Auch Rangu mischt sich ein, weist den Mann in die Schranken, der sich nichts sagen lassen will. Einer, der die Frauen „vermittelt“ (=verkauft) hatte und nun erklären will, dass er doch nichts Böses wollte und den Frauen nur helfen wollte. Und, er sei nun um sein Geld umgefallen, weil die „Ware“ nicht geliefert wurde. Das Mitleid hält sich in Grenzen.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie man von hier aus einen schweißtreibenden Kampf fechten kann, denn es ist auch, wenn man nichts tut, unerträglich heiß und schwül. Sie wollen uns nun zu ihrem Land und dem geplanten Schutzzentrum bringen. Wir sind dankbar, dass wir das Büro verlassen dürfen und weiterfahren.

 

Ein überraschender Anblick

Als wir zum Land kommen, auf dem ein Schutzzentrum errichtet werden soll, sind wir überrascht. Hier steht bereits ein Gebäude. Aber eines, das wenig Schutz bietet, das wohl selbst etwas Schutz gebraucht hätte. Eine Bruchbude mit schimmeligen Mauern und zerbrochenen Fenstern. Rangu erzählt uns, dass das ihr Schutzzentrum ist. Der Bau hatte bereits vor Jahren begonnen, doch aufgrund von administrativen typisch indischen Komplikationen, hatte man ihnen den Zugang zum Haus verweigert, es abgeschlossen und damit der absoluten Verwahrlosung ausgesetzt. Jugendliche Rabauken haben die Fenster eingeschlagen und ohne die notwendige Pflege hat sich der Zahn der Zeit schließlich ins Gebäude gefressen. Nun hatten sie den Schlüssel zwar wieder, doch das Geld war ihnen ausgegangen. Mit den 3.000 EUR, die wir dank unserer SpenderInnen übergeben konnten, und den von Gesar Travel gespendeten 1.500 EUR kann das Haus nun wieder saniert und der Bau fortgesetzt werden.

Doch mit den 4.500 EUR wird man das Schutzzentrum noch nicht in Betrieb nehmen können … da bedarf es einiger Gelder mehr. Wir hoffen also, dass sich noch ein paar weitere SpenderInnen finden, mit denen wir Rangu und ihre Organisation unterstützen können. Damit Leben in das noch leerstehende Haus kommt, mit Optimismus in die Zukunft blickende Gesichter aus den Fenstern schauen und Menschen, denen ihre Würde genommen wurde, hier wieder etwas Selbstbewusstsein beigebracht wird.

Wir bedanken uns im Namen von Rangu Souriya bei allen SpenderInnen!

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